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„Ein paar Worte an meine Dosenöffner“ von Jeanette Schmid

„Und wieder mal ein Tag, an dem ich nichts anderes tue, als auf euch zu warten.
Heute früh, als ihr alle so zeitig aufgestanden seid, war mir schon klar, dass es wieder mal einer dieser furchtbar langweiligen Tage werden würde.
Die meisten Tage sind so.
Kaum hat der Wecker geklingelt, geht es auch schon los.
Frauchen, du bist immer die erste, die hektisch durch die Wohnung flitzt. Vom Bad in die Küche, dann in die Zimmer der beiden Kinder, nebenher ermahnst du Herrchen, er möge doch bitte aufstehen.
Ich werde beinahe komplett übersehen. Mein Futternapf wird zwar schnell noch gefüllt und wenn ich Glück habe, streichelt mir einer von euch kurz über den Kopf, aber das wars dann auch schon.
Nachdem ihr euch alle gewaschen und die Zähne geputzt habt, trefft ihr euch noch schnell in der Küche auf einen Kaffee und dann geht auch schon jeder seinen Weg.
Herrchen, Frauchen und Moni, ihr geht zur Arbeit und Flori muss zur Schule.
Nur ich bleibe zuhause, alleine.
Wenn ihr dann alle weg seid, ist es sehr ruhig in der Wohnung. Meist leg ich mich dann auf meinen Lieblingsplatz und döse vor mich hin.
Wenn ich dann genug habe, setze ich mich ans Fenster und schaue nach draußen. Da aber auch das auf Dauer ziemlich langweilig ist, streife ich oft durch die Wohnung, bevor ich mich dann wieder zum Schlafen lege.
Manchmal kommst du, Flori, nach der Schule kurz nach Hause. Wenn ich dich höre, lauf ich oft ganz schnell zur Tür, um dich zu begrüßen.
Früher hast du dich immer gefreut, wenn ich gelaufen kam, hast mich liebevoll auf den Arm genommen und mit mir geschmust, heute nimmst du mich meistens gar nicht wahr.
Meist hast du es ganz eilig, wirfst deine Schultasche in dein Zimmer, machst dir schnell was zu Essen und gehst dann auch schon wieder. Du triffst dich mit Freunden, die sind dir wichtiger als ich.
Wenn ich mich am Abend auf deinen Schoß legen möchte, Frauchen, dann schiebst du mich runter, mit der Begründung, dass ich zu arg haare. Früher haben dich meine Haare nicht gestört, da durfte ich stundenlang auf dir liegen und du hast mich gekrault.
Früher war einfach alles anders. Da warst du, Frauchen, den ganzen Tag zuhause und wenn die Kinder mittags von der Schule kamen, haben wir ganz viel miteinander gespielt.
Mich macht das alles sehr traurig.
Dass du jetzt einen Freund hast, Moni, find ich toll. Nur leider schläft nun er des Öfteren bei dir im Bett. Mich würde das ja nicht stören, ich würde mich gerne zu euch kuscheln. Aber leider ist deine Tür jetzt nachts immer zu und ich darf nicht mehr in deinem Zimmer schlafen. Ich hab mich nachts immer so gerne zu dir gelegt und die Nacht unter deiner Decke ganz nah an deinem Körper verbracht.
Ja, so ändern sich die Zeiten.
Da ich ja auch nicht nach draußen darf, weil wir an einer sehr stark befahrenen Strasse wohnen, ist mein Leben recht einsam und langweilig geworden.
Euch fällt das nicht auf. Ihr meint, dass ich so viel schlafe und so ruhig geworden bin, liegt an meinem Alter.
Dass ich aber so langsam einfach keine Lust mehr habe, ständig abgewiesen zu werden, weil ihr alle immer im Stress seid und wichtigeres zu tun habt, darauf würdet ihr nie kommen.
Ihr seid alle immer viel zu sehr mit euch selbst beschäftigt und macht euch über mein Leben keine Gedanken.
Ihr seid der Meinung, Katzen sind ja so anspruchslos. Wir sind zufrieden, wenn wir täglich unser Futter bekommen und das Katzenklo regelmäßig gereinigt wird. Dass auch wir Katzen beschäftigt werden möchten und gerne soziale Kontakte pflegen würden, das kommt euch nicht in den Sinn.
Die letzten Katzen, zu denen ich Kontakt hatte, waren meine Geschwister und meine Mama.
Ich war 12 Wochen alt, als ich das letzte Mal von einem Artgenossen liebevoll geputzt wurde.
Genau so lange ist es her, dass ich mich durch Körpersprache mit jemandem austauschen konnte. Damals hab ich das letzte Mal mit einem Gleichgesinnten so richtig raufen und spielen können. Mich an das Fell eines Artgenossen gekuschelt und mich nie einsam gefühlt.
Ich verstehe, dass ihr manchmal viel zu tun habt und mich nicht rund um die Uhr bespaßen könnt, aber müsst ihr mich deswegen wirklich gleich total links liegen lassen?
Wenn ihr euch wenigstens einmal am Tag intensiv mit mir beschäftigen würdet, mir zeigen würdet, dass ihr an mich denkt und mich lieb habt, dann würde mich das schon sehr freuen. Ich bin kein Gegenstand, den man sich anschafft und der irgendwann in einer Ecke der Wohnung verstaubt.
Ich bin ein Lebewesen, das geliebt und gefordert werden möchte.

Ich weiß ja nicht wie ihr empfindet, aber ich liebe euch von ganzem Herzen…“

Quelle: https://www.facebook.com/tierpsychologie.jeanette.schmid/photos/a.502066353230049.1073741828.496861810417170/770802746356407/?type=3&theater